Die letzten Jahrzehnte (1973)

1973

Auch die Mitte der 70er Jahre (1973: 38 Vereine) ist eine Phase kritischer Orientierung – die Folge der Studentenunruhen. Ihr folgt wieder ein neuer Aufschwung, der sich seit zehn Jahren sehr deutlich abzeichnet: Gegenwärtig bestehen wieder 46 UNITAS-Vereine an fast 40 deutschen und ausländischen Hochschulen, in denen fast 900 Studenten aller Fakultäten zusammen leben, studieren und arbeiten.

Attraktiv für Neumitglieder ist die überall im Verband gelebte Internationalität. Zur UNITAS finden nicht nur Mitglieder aus europäischen, sondern auch aus vielen afrikanischen, asiatischen, südamerikanischen Ländern. Auch in den “neuen” Bundesländern findet der Verband wieder eine Heimat: Nach der Wende entstand mit der UNITAS in Magdeburg/Erfurt eine Initiative in den neuen Bundesländern. Und schon zuvor hatten sich Studenten in Prag, die im Untergrund für die Demokratisierung ihres Landes arbeiteten, zu einem UNITAS-Verein zusammengeschlossen. Mit der letzten Vereinsgründung in Karaganda ging die UNITAS sogar nach Kasachstan und Sibirien.

Verstärkt wird in den letzten Jahren das soziale Engagement: Neben die Unterstützung für das indische Patenbistum Salem treten immer mehr konkrete Einzelprojekte. Zu einem großen Erfolg wird der vor kurzem mit der Caritas gemeinsam abgeschlossene Bau des “Robert Schuman-Hauses”, eines Kinderheims in Markkleefeld bei Leipzig. Aktuelles Projekt ist die mit Ordensschwestern und dem Bischöflichen Hilfswerk Renovabis betriebene Wiedereinrichtung eines großen Hauses für Waisenkinder in Sarajewo: In der Tradition europäischer Verantwortung sollen so alle Anstrengungen zur Versöhnung in dem vom Krieg heimgesuchten Teil Europas unterstützt werden.

Die Projekte begleiten in diesen Jahren einen intensiven innerverbandlichen Diskussionsprozeß: Auf dem Weg in das Heilige Jahr 2000 ist viel Gemeinsamkeit gefragt. Jung und Alt ziehen an einem Strang. Und dabei ist der “Männerverband” nicht unter sich geblieben – Konsequenz auch hier: Denn mit der Aufnahme von Studentinnen hat der UNITAS-Verband für ein echtes Novum auf der gesamten Szene der traditionellen Studenten-verbände gesorgt. Seit Beginn der 1990er Jahre sind dem UNITAS-Verband UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Frankfurt, Freiburg, Gießen und Marburg assoziiert. Und seit der UNITAS-Generalversammlung 1996 sind sie mit allen Rechten in den Verband aufgenommen. Wie es scheint, setzt sich eine Idee durch… Heute – in einer Zeit der Renaissance waffenstudentischer Verbindungen mit oft bedenklichen Einstellungen zu politischen Fragen und studentischen Fecht- und Trinksitten – stellt sich der UNITAS-Verband die Aufgabe der Verknüpfung traditioneller Formen mit der zeitgemäßen Verwirklichung seiner Prinzipien. Und jeder einzelne Verein, jeder Unitarier und jede Unitarierin weiß: Dieser Verband, seine Prinzipien und seine Tradition, sind nicht dem beliebigem Zeitgeist unterworfen. Denn: “Mainstream” ist immer “von gestern”.

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